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ETHIK

"Ta ethika", die Sittenlehre des griechischen Philosophen Aristoteles ist eine praktische Philosophie. Sie sucht nach Antworten auf die einfache Frage: "Was sollen wir tun, wie handeln wir sittlich?"

Die Ethik untersucht, was in der Welt und im Leben einen Wert besitzt und dient somit der Erweckung eines Wertbewußtseins. Es ist ein zeitloses und edles Prinzip, welches zuweilen als veraltet erscheinen mag. Ethische Grundsätze finden sich in den 10 Geboten des christlichen Glaubens genauso wie in den bürgerlichen Gesetzbüchern, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder an gesellschaftliche Veränderungen angepaßt werden mußten.

Die moderne Biologie hat die Frage nach einer neuen "Gen-Ethik" laut werden lassen. Der Ruf einer fundamentalistischen biologischen Ethik lautet dabei sinngemäß: "Alles, was die Natur selber macht, ist auch in der Forschung erlaubt. Was in der Natur nicht vorkommt, soll verboten werden."

Schon die Antwort auf die Frage, was die Natur selber macht, liefert Überraschungen. Die Natur schleuste mit Hilfe von Viren zerstörerische Gene in fremde Zellen ein, lange bevor es die Gentechnik gab, und die Natur klont häufiger als man glauben mag. Beispiele gibt es viele. Verwirrend wird die Situation, wenn aus ethischen Gründen sowohl eine Weiterentwicklung als auch ein Verbot der neuen biologischen Techniken gefordert wird.

Ein Beispiel mag als Beleg dienen. Im März 1987 veröffentlichte die Glaubenskongregation der katholischen Kirche ein Dokument namens "Instruktion über die Achtung vor dem beginnenden menschlichen Leben und die Würde der Fortpflanzung". Darin heißt es unter anderem: "Ein rein therapeutischer Eingriff [in den menschlichen Embryo], dessen Zweck die Heilung verschiedener Krankheiten ist - wie etwa jener, die auf Mißbildung der Chromosomen zurückzuführen sind -, kann grundsätzlich als wünschenswert betrachtet werden, vorausgesetzt daß er auf eine wahre Förderung des persönlichen Wohles des Individuums zielt, ohne seine Integrität zu verletzen oder seine Lebensbedingungen zu verschlechtern."

Dieser und andere Sätze des Dokuments mögen gut gemeint sein. Ein genetischer Eingriff in den menschlichen Embryo oder gar in die Keimbahn des Menschen, wie es laut Kirche zu Heilungszwecken "wünschenswert" erscheinen mag, ist, ohne die Integrität des Individuums zu verletzen, absolut unmöglich.

Wir dürfen uns nichts vormachen. Es gibt bis heute keine wirklich umfassende und verbindliche Ethik der Biologie. Alles, was bisher als solche verkündet wurde, ist bruchstückhaft und angreifbar.

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© 1997 Rudolf Öller, Bregenz