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EPSILONKLASSE

Der Autor Aldous Huxley schrieb seinen weltberühmten Roman "Schöne Neue Welt" zu Beginn der Dreißiger Jahre. In einem Essay-Band "Dreißig Jahre danach" kommt er zum Schluß: "Sozialer und technischer Fortschritt ... lassen erwarten, daß diese Voraussage sich in einem Bruchteil der veranschlagten Zeitspanne verwirklichen werde."

Aldous Huxleys Utopien könnten zur Wirklichkeit werden. In seinem Werk prophezeit er eine perfekte Welt voll Wohlstand, Sex und künstlich produzierter Lebewesen - ohne Liebe und menschlicher Wärme. In Aldous Huxleys schöner neuer Welt werden Menschen in der Retorte erzeugt und genetisch vorprogrammiert. Sie gehören von Geburt fünf verschiedenen Klassen von Alpha bis Epsilon an, wobei die Epsilonklasse die minderwertigste ist und nur für primitive Arbeiten taugt. In einer Schlüsselszene des Buches unterhalten sich zwei Synthetikmenschen der Zukunft:

"Ich glaube, den Epsilons ist es gar nicht unangenehm, Epsilons zu sein," sagte sie. "Natürlich nicht. Wie wäre das auch möglich? Die wissen doch gar nicht wie das ist, wenn man anders ist. Uns natürlich wäre es unangenehm. Aber wir sind eben anders programmiert und sind überdies mit einer anders konstruierten Erbmasse gestartet." "Wie froh bin ich, daß ich kein Epsilon bin", sagte Lenina voll Überzeugung. "Wärst Du aber ein Epsilon", entgegnete Henry, "dann wärst Du dank deiner Normung ebenso froh, kein Alpha oder Beta zu sein."

Die beiden Voraussetzungen zur Erschaffung einer Welt im Sinne Aldous Huxleys sind gegeben: Die Retortentechnik (Befruchtung außerhalb des Mutterleibes) ist zur Routine geworden, und die Gentechnik bearbeitet nicht nur pflanzliches sondern auch tierisches Material. Zum Menschen ist es nur noch ein Schritt.

Die Retortentechnik hat im Prinzip nichts mit Gentechnik zu tun. Retortentechnik ist eine Form der Behandlung unfruchtbarer Paare, wobei neues menschliches Leben nicht im Mutterleib, sondern im Reagenzglas gezeugt wird. Das Ziel der Gentechnik ist jedoch nicht die Heilung von Unfruchtbarkeit. Die Gentechnik möchte Erbanlagen von einer Tier- oder Pflanzenart auf eine andere übertragen. Auf diese Weise wird der Gentechniker zum Schöpfer neuer Lebensformen, sogenannter transgener Organismen.

Die Versprechungen der Gentechniker sind gigantisch. Von insulinproduzierenden Bakterien bis hin zum genetisch programmierten Schwein, welches in den Milchdrüsen menschliche Proteine fabriziert, erscheint alles möglich. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis ein Wissenschafter aus "ethischen Gründen" vorprescht um zur Vermeidung künftiger Krankheiten den transgenen Menschen zu fordern.

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© 1997 Rudolf Öller, Bregenz