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GENTECHNIK UND ABERGLAUBE

Die EU-Kommission hat kürzlich einen gentechnisch veränderten Mais für den Markt zugelassen. Dieser "Gen-Mais" soll helfen, Fehler der Vergangenheit auszumerzen und die Ernten der Zukunft zu sichern.

Mit Hilfe der klassischen Genetik - also ganz ohne Gentechnik - ist es längst gelungen, größere Kühe, ertragreicheren Weizen, schönere Äpfel, dickere Kartoffel und andere pralle Nahrungsquellen für eine ziemlich rasant wachsende Menschheit zu produzieren. Insbesondere die Nutzpflanzen wurden durch Inzucht genetisch immer monotoner und somit anfälliger für Krankheiten gemacht. In der Biologie gilt jedoch die Faustregel, daß Monokulturen kurzfristig produktiv, ökologisch aber schwindsüchtig und somit anfällig für Krankheiten sind.

Eines der schlimmsten Beispiele für monokulturell verursachte Katastrophen ist die schwere Kartoffelmißernte in den Vierzigerjahren des 19. Jahrhunderts in Irland und Europa. Etwa 2 Millionen Menschen starben aufgrund der Kartoffelfäule den Hungertod und ebenso viele waren gezwungen zu emigrieren. Die europäische Weinbauindustrie ist im letzten Jahrhundert dreimal hintereinander durch verschiedene Epidemien von Pflanzenkrankheiten fast gänzlich zugrunde gerichtet worden. Der Kaffeerost verwandelte Ceylon (heute Sri Lanka) von einer der größten kaffeeanbauenden Nationen der Welt in ein Land, in dem Kaffeeanbau kaum noch möglich ist.

1942 vernichtete ein Pilz die bengalische Reisernte, was für zigtausende Menschen den Hungertod bedeutete. 1946 ging ein großer Teil der US-Weizenernte, die fast zur Gänze aus einer Sorte bestand, durch Pilzbefall verloren. Im Jahr 1970 erreichte eine Maispilzkrankheit in Amerika epidemische Ausmaße, die dazu führte, daß die Maisernte um 15 Prozent zurückging.

Die Wissenschaftler versuchen heute mit Hilfe der Gentechnik, Fremdgene in das Erbgut von Nutzpflanzen einzuschleusen. Ziel dieser Technik ist es, die Nutzpflanzen gegen Unkraut- und Pilzgifte aller Art immun zu machen. Biologisch geschwächte Inzuchtpflanzen sollen also mit Chemie geschützt werden, und die eingeschleusten Fremdgene sollen wiederum gegen die angewendete Chemie schützen. Man schwächt also durch Inzucht die Natur und baut ihr zum Schutz nachträglich eine (gentechnische) Krücke ein. Unvernunft dieser Art pflegt man heutzutage als wissenschaftlichen Erfolg zu bezeichnen.

All diese Bestrebungen sind - langfristig gesehen - zum Scheitern verurteilt. Die Ursachen allen Übels sind die Monokulturen. Die Politik der Massen-Monokulturen mit all ihren Auswüchsen, muß mit oder ohne Gentechnik irgendwann in ein ökologisches und wirtschaftliches Desaster führen. Die Hoffnung, daß die Gentechnik die durch Monokulturen hervorgerufenen Probleme lösen könnte, ist purer Aberglaube.

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© 1996 Rudolf Öller, Bregenz