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AIDS und BSE

AIDS und BSE (Rinderwahnsinn) haben neben ihrer Heimtücke eines gemeinsam: Jene wegwischende und verdrängende Denkstrategie, jenes ängstliche Wunschdenken in ihrem Umfeld, das es nicht nur im Alltag der Mitmenschen sondern auch in der Politik gibt.

Nachdem man AIDS erstmals wahrgenommen hatte (1981), nachdem klar geworden war, daß es sich bei AIDS um eine Infektionskrankheit handelt (1982), nachdem man erkannt hatte, daß AIDS durch sexuelle Kontakte und Blutprodukte verbreitet wird und nachdem man endgültig geklärt hatte, daß ein Virus der Auslöser ist (1983), allerspätestens von da an hätte man von medizinischer und gesundheitspolitischer Seite weltweit zielführend reagieren müssen. Die erschreckte Öffentlichkeit wurde aber nur beschwichtigt. Noch in der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre kursierten Aufklärungsprospekte, die den schrecklichen Ernst der Lage nicht erkennen ließen.

Wissenschaftler, welche über AIDS sehr früh informiert waren - engagierte Mediziner und Biologen - mühten sich in der Einöde der Ignoranz redlich ab, stießen aber nur bei wenigen nachdenklichen Kollegen auf Resonanz. Für die Schilderung der unbehaglichen Wahrheit hagelte es anfangs Beschimpfungen. Nur langsam wurde die bedrohliche Situation akzeptiert.

Heute regiert die Bescheidenheit. Man ist den biologischen Mechanismen des HI-Virus zwar auf der Spur, von Heilung kann aber längst noch keine Rede sein.

In den letzten Wochen und Monaten wurde das Thema AIDS vom Kürzel BSE abgelöst. BSE bedeutet etwa "schwammförmige Hirnerkrankung bei Rindern". Die ersten BSE-Fälle tauchten im Jahre 1982 auf. Im Frühjahr 1990 meldeten die Engländer der Europäischen Kommission erstmals die Dimension einer Seuche. Damals waren 380 Rinder erkrankt. Bis heute zählt man über 164000 tote Tiere und über 33000 betroffene Farmen.

Vor kurzem erschien in der angesehenen Zeitschrift "Nature" eine Arbeit zum Thema BSE. Im Hirn von Menschen, die an den Folgen einer neuen Form der gefährlichen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJK) gestorben waren, hatten die Forscher einen bestimmten Typus von "Prionen" (spezielle Eiweißstoffe) gefunden. Diese verdächtigen Prionen waren von der gleichen Art wie sie in BSE-kranken Rindern auftreten. Die Wissenschaftler werten dies als wichtigen Hinweis dafür, daß der Erreger des tödlichen Rinderwahnsinns auf den Menschen übertragen werden kann.

Jede Verharmlosung oder Abwiegelung wäre in dieser Situation eine grobe Verantwortungslosigkeit. Die frühe und leichtfertige Verharmlosung von AIDS sollte uns allen eine Lehre sein.

Die vergessene Epidemie (2003)
Aids 2000
Gefährliche Aids-Mythen
Aids 1999
Aids 1997
Science online

© 1996 Rudolf Öller, Bregenz