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NOBELPREISTRÄGER

Vor fast genau 100 Jahren, am 10. Dezember 1896, starb Alfred Bernhard Nobel. Er hatte den Nobelpreis gestiftet, der kürzlich wieder an Forscher aus aller Welt verliehen wurde. Österreich ging dabei wieder einmal leer aus.

Dies war nicht immer so. Österreich zählte einmal zu den führenden Nobelpreis-Nationen. Bis zum Ende der ersten Republik waren Namen wie Pregel, Schrödinger, Pauli, Landsteiner, Wagner von Jauregg und andere die österreichischen Sterne am Himmel der internationalen Wissenschaft. Die meisten von ihnen sind in Vergessenheit geraten. Erwin Schrödinger mag eventuell dem einen oder anderen ein Begriff sein. Immerhin ziert sein Bild eine wertvolle österreichische Banknote.

Nach dem 2. Weltkrieg änderte sich die Lage für Österreich. In den Königsdisziplinen Physik, Chemie und Medizin gingen die Nobelpreise großteils nach USA, Großbritannien, Kanada, Frankreich, Deutschland und die Schweiz. Die erfolgreichste Nobelpreisträgernation ist - uneinholbar für andere - die USA. Deutschland hat während des Nationalsozialismus seine besten Köpfe ins Ausland verloren. Es dauerte Jahrzehnte, bis Deutschland aufschließen konnte. Heute ist Deutschland wieder eine wissenschaftliche Großmacht. Allein in den letzten 12 Jahren gingen zehn Nobelpreise in den so wichtigen naturwissenschaftlich Fächern in unser Nachbarland. Auch kleinere Länder wie die Schweiz oder Belgien erhielten Preise.

Österreich konnte seit dem 2. Weltkrieg in den Sparten Chemie und Medizin nur drei Nobelpreisträger aufbieten: Max Perutz (1962), Karl v. Frisch und Konrad Lorenz (1973). Beim gebürtigen Österreicher Max Perutz (Chemie) ist anzumerken, daß er den Nobelpreis als Engländer erhielt.

Die finanziellen Mittel, die in die Forschung gesteckt werden, spielen eine große Rolle. Geld allein ist aber längst nicht alles. Zum Erfolg braucht man Wissen, Erfahrung, Teamgeist, Phantasie, eisernen Willen, vor allem aber die Freiheit des Denkens. Die österreichischen Universitäten sind aber ein Kind der Nachkriegszeit, in welcher den Österreichern das allumfassende staatliche Versorgungsdenken schon mit der Muttermilch eingegeben wird.

Österreich ist heute von einer Nobelpreisnation weiter entfernt als je zuvor. Um an alte Erfolge dauerhaft anknüpfen zu können, brauchen die Universitäten eine bessere finanzielle Austattung, einen liberaleren Geist und die Möglichkeiten, mit privaten Forschungsinstituten besser zusammenarbeiten zu können. Zur Zeit muß sich unsere Forschungselite mit dem Prinzip Hoffnung begnügen.

Jüdische Nobelpreisträger
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Dr. Karl Landsteiner
Menschlichkeit
Die Mutter aller Dinge

© 1996 Rudolf Öller, Bregenz
Dieser 1. Aufsatz der Serie erschien am 12. Okt. 1996